Erfolgreiche Täuschung…
„Fast nackt- Mein abenteuerlicher Versuch, ethisch korrekt zu leben“ .
So der Titel des Buches von dem englischen Journalisten Leo Hickman, der sich und seine Familie dem vermeintlichen Wahnsinn aussetzt, ein Jahr lang sein Leben ökologisch korrekt zu leben.
Kleidung, Lebensmittel, Windeln, Mülltrennung, Hausbau- man kann in jeder Lebenslage, in jedem Bereich des Lebens, darauf achten, dass für genutzte Endprodukte weder Menschen noch Tiere gequält werden. Doch ist das auch so einfach?
Nein, ist das Ergebnis von Leo Hickman.
Auch ich dachte nach erfolgreicher Lektüre, ich könne etwas mehr für meine Umwelt tun. Angefangen beim täglichen Einkauf der Lebensmittel suchte ich zunächst einen Bioladen hier in der Stadt auf. Ich bin Studentin mit zwei Nebenjobs, musste allerdings schnell feststellen, dass ich nicht mein komplettes Nahrungsmittelsortiment aus dem Bioladen beziehen kann. Die Preise sind teilweise horrend.
Also verfiel ich, zumindest teilweise, wieder zurück in meine alte Gewohnheit und besuchte den Supermarkt in einer großen Einkaufspassage, nahe an meiner Wohnung gelegen. Wird schon nicht so schwierig sein, auch da ökologisch sinnvoll einzukaufen.
Doch, war das Ergebnis meines Versuchs.
Mit Erschrecken musste ich feststellen, wie sehr der Verbraucher in die Irre geführt wird, wenn er erst mal genau darauf achtet, was er kauft.
Zuerst einmal versuchte ich, auf die sogenannten Lebensmittelkilometer zu achten. Kartoffeln brauchte ich, es sollte abends Ofenkartoffel geben. Ich hielt ein Netz von der Sorte „Exquisa“, hergestellt in Deutschland, in der Hand, 1,5 kg für 1,79€. Dem hatte ich nichts auszusetzen.
Vorbei an der Obst-und Gemüsetheke fiel mir der gleiche Beutel Kartoffeln auf, diesmal mit 2,49€ ausgezeichnet. Dieselbe Herkunft, das gleiche Gewicht. Ich fragte einen Verkäufer, wie es angehen kann, dass die gleiche Kartoffelsorte mit zwei verschiedenen Preisen ausgezeichnet ist(das Netz für 1,79€ hatte ich übrigens aus der etwas unüberschaulichen Kartoffelecke, wobei das für 2,49€ dem Käufer beim Betreten des Ladens gleich ins Auge springt). Auf meine Frage antwortete er, das wird wohl an dem unterschiedlichen Gewicht liegen. Nein, entgegnete ich, das ist beides 1,5kg. Na dann würde es wohl so sein, dass diese Kartoffeln letzte Woche im Angebot waren, es wurde nur vergessen, den Preis wieder anzugleichen.
Aha. Nun denn. Ich entschied mich für Biokartoffeln.
Weiter ging`s zur Bodylotion. Nachdem ich mich zuvor im Internet schlau gemacht hatte, welche Kosmetikhersteller komplett darauf verzichten, Produkte zu verwenden, die im Tierversuch getestet werden, versuchte ich, eine geeignete Creme zu finden. Schließlich wurde ich auch fündig, 500ml für 3,99€.
Moment, dachte ich, auf der Preisauszeichnung am Regal sind aber 750ml angegeben. Ich schaute nach, ob es evtl. eine zweite Lotion des gleichen Herstellers gab, so dass die Preise vertauscht sein könnten, aber ich fand nichts. Ich kaufte also keine Bodylotion.
Die Krönung meines Einkaufes aber waren die Bio-Eier.
„Bio“ bedeutet nicht nur, sich gesund zu ernähren. Einige Produkte, die das „Bio“-Siegel tragen (wie z.B. Eier oder Milch) werden in der Umgebung hergestellt, so dass man sicher sein kann, die kleinen Bauern gegenüber den massenproduzierenden Riesenkonzernen zu unterstützen.
In jenem Supermarkt hängt ein großes Plakat direkt über dem Eierregal, auf dem alle Bauernhöfe, die man durch den Kauf der Bio-Eier unterstützt, mit Namen und Adresse aufgelistet sind. Die Eier haben eine ID-Nummer aufgedruckt, die man dem jeweiligen Hof zuordnen kann. Natürlich vermittelte mir das ein gutes Gefühl. Ich bezahle zwar auch hier einen etwas überhöhten Preis für ein Ei, jedoch kommt das einem kleinen, hart arbeitenden Bauern zu Gute. Nicht den großen Firmen, die eh schon genug Geld haben. Und ich kann mir sicher sein, dass mein Huhn ein erfülltes, glückliches Leben hatte.
Ich wollte also wissen, welchen Bauern ich denn jetzt mit meinen 3,29€ für zehn Eier unterstützte und siehe da, die Nummer auf meinem Bio-Ei gab es gar nicht. Zumindest nicht auf dieser Liste.
Ich kaufte die Eier trotzdem, zu Hause schaute ich dann im Internet (www.Was-steht-auf-dem-Ei.de) nach, wo sie denn herkamen.
Tja, was soll ich sagen. Eigentlich hätte ich gar nicht so überrascht sein dürfen, dass es eben nicht, wie angekündigt, aus Niedersachsen stammt. Nein, es kam aus Mecklenburg-Vorpommern. Und, die zweite Überraschung, von diesem angeblich so streng überwachten Bio-Geflügelhof gibt es weder eine konkrete Adresse, noch Bilder, noch eine Homepage. Nichts.
Seitdem achte ich wirklich peinlichst genau darauf, was ich wo kaufe. Ich informiere mich, soweit es geht, über die, für mich relevanten, Kriterien der Produkte, wie z.B. ob für meine Kosmetik Tiere leiden mussten, oder ob die Menschen, die in Griechenland meinen Spargel ernten, auch angemessen vergütet werden. Natürlich muss ich mehr Zeit in meinen Einkauf investieren, aber ich denke, die 30min mehr am Tag würde wohl jeder über haben, wenn es einem nicht egal ist, was man seinem Körper und auch der Umwelt antut.
