Über 700.000 € für den ESV trotz knapper Haushaltskasse?
In einer Zeit, wo viele Kommunen, so auch Wilhelmshaven, finanziell angeschlagen sind, sollten Städte eigentlich sehr sorgfältig mit Ausgaben des Stadthaushaltes um gehen und die Wichtigkeit der einzelnen Posten genau erörtern. Doch der Wilhelmshavener Stadtrat besitzt offensichtlich eine etwas andere Wertvorstellung von der Wichtigkeit der Finanzverteilung und –ausgaben.
Seit Jahren lehnt unsere Kommune finanzielle Zuschüsse für Soziale Einrichtungen, die tausende Jugendliche, Kinder, sozial schwache Familien und körperlich oder geistig beeinträchtigte Menschen, mit Hinweis auf die leeren Kassen des kommunalen Haushaltes ab.
Spiel- und Bolzplätze werden dicht gemacht und abgerissen, um Geld zu sparen. Der Abenteuerspielplatz soll dieses Jahr geschlossen bzw. ausgelagert werden, da die bisherigen beiden Angestellten in Rente gehen. Die Stadt Wilhelmshaven sieht somit, durch eine Schließung des Spielplatzes und die Einsparung von zwei Angestellten für den Betrieb, eine gute Möglichkeit für eine Haushaltseinsparung. Das Jugendzentrum Krähenbusch steht kurz vor der Schließung, aufgrund fehlender finanzieller Mittel. Die Wilhelmshavener ALI (Arbeitsloseninitiative) muss jedes Jahr erneut um ihre Existenz bangen, wegen Mangel an finanzieller Unterstützung der Stadt. Die Tafel ist ebenfalls in dauerhaften finanziellen Nöten, obwohl sie für viele Menschen eine lebenswichtige Anlaufstelle bietet.
In dem gleichen Zeitraum in dem die freiwilligen sozialen Leistungen erheblich gekürzt wurden, wurden unglaubliche Beträge in sportliche Leuchtturmprojekte investiert.
Eine VIP- Loge für den Handball- und Fußballverein, sowie ein Kunstrasenplatz in Vosslap.
Jetzt möchte der Fußballverein ESV, mit seinen 400 Mitgliedern, ein Kunstrasenplatz mit Flutlicht- Anlage. Die Stadtverwaltung spricht für den nicht öffentlich zugänglichen Fußballplatz des ESV von ca. 700 000 € Kosten, natürlich ohne Flutlichtanlage. Diesen Kunstrasenplatz dürfen dann aber auch nur die Vereinsmitglieder benutzen und er bleibt für alle anderen Kinder oder Jugendlichen verschlossen.
Dieser Antrag soll im Rat mit der Begründung gestellt werden, dass es sich um ein sehr engagierten Verein handelt, wo auch sozial schwache Jugendliche und Kinder mit Migrationshintergrund betreut werden. Wichtig ist auch die soziale Arbeit die in diesem Verein geleistet wird und dies muss man unbedingt unterstützen.
Grundsätzlich richtig, wenn die Stadt das Geld dafür über hätte. Mit dieser enormen Summe könnten soziale Einrichtungen, die über tausend junge Menschen mit sozialer Kompetenz betreuen, Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte überleben und somit auch weiterhin gute soziale und pädagogische Dienste erweisen.
700 000 € sollen also für 400 Mitglieder aus der Haushaltskasse erbracht werden, warum man nicht auf eine sehr einfache und sparsamere Variante gekommen ist, in dem zum Beispiel 400 Mitglieder Rasen aussähen, anschließend pflegen und somit für den Erhalt des Fußballplatzes selbst verantwortlich sind, bleibt ein Rätsel. Dabei wären auch 300.000,- € zu viel.
Denn eigentlich weist die Stadt bei der Ablehnung sozialer finanzieller Zuschüsse meist auf leere Haushaltskassen hin und dabei geht es um weitaus kleinere Beträge und um die Existenz mehrerer sozialer Einrichtungen.
Diese Verteilung wäre ungerecht.
